Die Grenzen des mobilen Web

Mit der Verbreitung von UMTS und dem Sinken der Preise für Datentarife in Deutschland ist es kein teures Vergnügen mehr, immer und überall online gehen zu können. Ohne aus Hotel- oder Restaurant-WLANs angewiesen zu sein. Ohne mühselige Suche nach Hotspots. UMTS-USB-Stick ins Netbook stecken und ein paar Mausklicks später ist man online. Beim iPad entfällt sogar das Stöpseln – bei einigen Modellen ist man dank eingebautem UMTS mit ein paar Fingerwischbewegungen auch sofort im Netz. Doch mit der Verbreitung des mobilen Netzzugangs stoßen immer mehr Menschen auf ungeahnte Grenzen.

In den Zeiten eines vereinten Europa und weltweiter Web-Communities endet der mobile Internetzugang oft in der Nähe der Grenze des Heimatlandes. Sobald man mit seinem Netbook oder iPad ins benachbarte Ausland fährt, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man weiß um die exorbitanten Roaming-Gebühren der Mobilfunkanbieter und unterlässt die Streifzüge im Netz oder man lernt diese Kosten schnell kennen. Während in Deutschland mit Prepaid-Karten und Tages-Flatrates die Kosten bei wenigen Euro pro Kalendertag liegen, kann allein schon das Öffnen der Startseite eines deutschen Nachrichtenmagazins zwei- bis dreistellige Eurobeträge vom Konto des Nutzers abziehen.

Diese drastischen Kosten-Unterschiede stellen eine enorme Einschränkung der Mobilität des Web ein. Wer im Auslandsurlaub dank Netbook oder iPad seine Mails lesen will oder sich über Öffnungszeiten oder Lage von örtlichen Sehenswürdigkeiten informieren will, der wird sich – hoffentlich – vorher über die Tarife seines Mobilfunkanbieters im Urlaubsland schlau machen. Und meist bleibt der Rechner dann doch zu Hause. Klar gibt es vor Ort vielleicht Internet-Cafes. Oder man könnte eine Prepaid-SIM-Karte im Urlaubsland kaufen. Doch ersteres setzt ein enormes Vertrauen in die Technik vor Ort voraus – wer würde in einem Internet-Cafe in Bangkok, Kairo oder Mexico sein Mail-Passwort eingeben, wenn er nicht sehen kann, welche Trojaner, Keylogger oder Phisher nur darauf lauern, dieses abzugreifen? Und die zweite Option scheitert oft an sprachlichen und rechtlichen Barrieren – bestellen Sie doch einmal auf Ungarisch eine Prepaid-SIM mit Datentarif für 5 GB …

Die so unterschiedlichen Kosten für den mobilen Internetzugang sind umso unverständlicher, je globaler die Mobilfunkanbieter agieren. So groß können die lokalen Steuern und Vorleistungskosten nicht abweichen, dass die an die Endkunden verrechneten Preisdifferenzen damit erklärt werden könnten. Sobald hier finanzielle Barrieren abgebaut werden, dürfte das mobile Web endlich wirklich grenzenlos werden.