Was kostet eine Kreditkarte?

Gerade habe ich beim Blick ins Online-Banking den Hinweis auf ein neues Preisverzeichnis erhalten. Da ich derzeit für mein Girokonto samt echter VISA-Kreditkarte nichts zahle, kann das ja eigentlich nur eine Verschlechterung sein. Und tatsächlich – gleich zwei Mal saust der Kostenhammer auf die bisher kostenlosen Leistungen herab: die Kontoführung kostet ab demnächst 3.90 EUR pro Monat, es sei denn, man hat mindestens einen Zahlungseingang pro Monat. Aufatmen, das schaffe ich. Aber die zweite Neuerung ist der Hammer: für eine Kreditkarte (egal ob echte Kreditkarte oder Daily-Charge-Karte oder sogenannte Debit-Karte) werden 25 Euro pro Jahr fällig! Es sei denn, man macht mit der Karte mindestens 2000 Euro Umsatz pro Jahr. Autsch!

Mit meiner Kreditkarte mache ich pro Jahr definitiv einen niedrigen dreistelligen Umsatz, hier soll ich also zukünftig 25 EUR pro Jahr zahlen. Nicht mit mir!
Schon vor längerer Zeit bin ich über www.gebuhrenfrei.com gestolpert, dazu schwärmte mir ein Bekannter davon neulich erst vor: alles habe effizient und reibungslos funktioniert, er sei sehr zufrieden. Also habe ich mich vor dem Antragausfüllen schnell mal informiert. Hinter der etwas kruden Domain steckt die Advanzia-Bank aus Luxemburg, eine Direktbank.
Moment mal, ich bin ja auch Kunde bei einer Direktbank – also einer Bank ohne Filialen, Schalterpersonal, etc. und ohne die damit verbundenen Kosten. Seltsam, dass sich dies in so unterschiedlichen Gebühren niederschlägt. Aber das soll nicht mein Problem sein. Offensichtlich kosten die Bytes bei meiner Direktbank ziemlich viel. Denn welche Kosten verursacht eine einmal ausgegebene Kreditkarte nach den paar Euro für die Kartenprägung noch, wenn sie nicht benutzt wird? Eigentlich ja nur Kosten für die IT, die zur Verwaltung dieser Karte samt Account notwendig sind. Nun gut, vielleicht müssen auch anteilige Kosten für die Transferinfrastruktur auf die Karte umgelegt werden, aber dafür holen sich die Banken und Zahlungsdienstleister ja die Gebühren bei den kartenakzeptierenden Händlern wieder. Warum muss also eine Kreditkarte einen nicht unerheblichen jährlichen Betrag kosten?
Es wird wohl kaum eine nennenswerte Anzahl an Personen geben, die sich bei Gebührenfreiheit eine unüberschaubare Sammlung an Kreditkarten zulegen würden. Abschreckung kann also nicht das Hauptmotiv sein. Klar, eine Bank will und darf Geld verdienen. Doch ist es wirklich klug, Kunden für eine Leistung, die bislang kostenlos erbracht wurde, plötzlich einen nicht unerheblichen jährlichen Betrag zu berechnen? Gerade wenn es Marktteilnehmer gibt, die die gleiche Leistung kostenlos anbieten? Und die einzige Hürde beim Wechsel der Kreditkarte ist – im Gegensatz zum Girokonto – die Bereitschaft, sich an eine neue Farbe im Portemonnaie zu gewöhnen. Ist das eine neue Kundenvertreibungsstrategie?