Wie kauft man heute einen Neuwagen?

Nach 8 Jahren ist es soweit – das Familienauto, inzwischen 10 Jahre alt und mit zunehmender Anzahl an Wehwehchen geplagt, soll ersetzt werden. Ein paar Rahmenbedingungen sind klar: es muss wieder ein Kombi werden, viel Platz soll er bieten, günstig in Anschaffung und Unterhalt sein, zuverlässig, sicher und nicht stockhäßlich. Ein kurzer Blick in die Gebrauchtwagenangebote online zeigt bald, dass bei dem geplanten Budget viele Gebrauchte preislich sehr nah an günstigen Neuwagen heranrücken, wenn man die Neuwagenrabatte berücksichtigt, die in den Medien angesagt werden. Auch dem Thema EU-Import stehen wir prinzipiell offen gegenüber. Doch wie geht man das Thema nun an?

Hier scheiden sich die Wege der Generationen. Während unsere Eltern wohl einige Besichtigungs- und Beratungsrunden durch die örtlichen Autohäuser drehen würden, setze ich mich an den Rechner und recherchiere. Vergleichstests von Mittelklassekombis sind schnell gefunden, Foren bieten einen guten Weg, die Meinung der „Communities“ zu den Kandidaten kennenzulernen. Schnell kristallisiert sich ein Wunschmodell heraus. Online-Konfiguratoren beim Hersteller und bei Händlern bzw. Importeuren in anderen Ländern zeigen schnell, welche Ausstattung möglich ist und mit welchen Preisen man rechnen muss. Eine Suche nach Händlern in Deutschland bietet inzwischen jeder Hersteller auf seiner Website an, so dass schnell Kandidaten für Angebotsanfragen gefunden sind. Wer keine Website oder gar Mailadresse bietet, hat keine Chance, mit mir ins Geschäft zu kommen. Denn per Mail sind innerhalb kürzester Zeit Anfragen an viele Händler gesendet. Parallel suche ich nach EU-Importeuren und frage dort ebenfalls per Mail nach. Und ja, einmal geht es auch in ein örtliches Autohaus – um eine Probefahrt mit dem Wunschkandidaten zu machen.

Und dann beginnt die Selektion. Einige Händler antworten erst gar nicht. Naja, so kurz nach dem durch die Abwrackprämie befeuerten Nachfrageboom ist wohl Trägheit eingekehrt. Diejenigen, die antworten, machen sich oft nicht wirklich viel Aufwand. Konfigurator und Kalkulationsprogramm spucken ein Standardangebot aus, welches dann per Mail zurückkommt. Schön für mich, kann ich doch direkt und ohne großen Aufwand die Preise vergleichen. Allerdings nutzt so auch kein Händler die Chance, sich aus der Masse herauszuheben. Denken die Vertriebler dort, dass Kunden heute keine Preisvergleiche machen oder verschiedene Angebote einholen? Egal, bald finden sich einige akzeptable Preisansagen unter den Antworten. Doch die EU-Import-Angebote liegen immer vorn. Also frage ich bei den deutschen Händlern nach und nenne den günstigsten Preis als Benchmark. Einige sagen dann freundlich ab, andere bessern minimal und doch ohne reelle Chance nach und wieder andere senden Beschimpfungen! Wie könne ich es wagen, Angebote unter Einkaufspreis zu erfragen?! Na gut, dann eben nicht. Den Zuschlag erhält dann ein EU-Importeur. Es gehen dann noch einige Mails hin und her zwecks Abwicklungsfragen, Ausstattung und kostenlosem Zubehör.

Das erste nichtelektronische Artefakt in diesem Prozess ist dann schon die Bestellung, die ich per Post erhalte, unterschreibe und zurückschicke. Zu diesem Zeitpunkt habe ich den Händler, bei dem ich bestelle, weder besucht noch angerufen. Webseiten und Mails waren für mich vertrauenserweckend genug. Unvorstellbar noch vor einigen Jahren und auch heute noch – hauptsächlich für ältere Generationen.

Inzwischen ist die Bestellung beim EU-Importeur aufgrund von Lieferverzögerungen storniert – einfach per Mail mit Bestätigung per Mailantwort einige Minuten später. Um nun endlich doch zum Neuwagen zu kommen, habe ich einfach die Neuwagenvermittler im Internet genutzt, konkret Autohaus24 und MeinAuto. Dann noch etwas Mailverkehr und schon ist der Neuwagen bestellt. Der Kaufvertrag kam als PDF-Dokument und nur wegen dessen Unterschrift musste wieder ein Blatt Papier bedruckt werden – bis dahin lief auch diesmal wieder der gesamte Bestellprozess rein elektronisch.

Mein Fazit: Wer heutzutage einen Neuwagen kaufen will, braucht – außer eventuell für eine Probefahrt – das Haus erst verlassen, wenn das Auto zur Abholung bereit steht. Bequemer und transparenter als im Web kann man ein Auto wohl kaum kaufen. Man muss allerdings bereit sein, sich selbst mit Ausstattungsvarianten und Preisvergleichen zu beschäftigen. Man darf keine Scheu haben, sich mit Google und Mailprogramm selbst in die Schlacht um das optimale Angebot zu werfen. Wer hier einige Stunden investiert, wird allerdings auch mit Rabatten belohnt, die ein uninformierter Kunde im Autohaus vor Ort wohl nie erreichen wird.

Ich kann mich noch gut an die Diskussion vor einigen Jahren erinnern, wo „Experten“ den Autokauf „per Mausklick“ als nie wirklich realisierbar bezeichnet haben. So kann man sich irren …

  • Wo ist der Like Button? ;)=

    Liebe Grüße,
    Sven

  • Der kommt noch 😉